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Jan 09

Leitfaden zur Planung einer bilingualen Kita-Gruppe

Gastbeitrag von Ilka Maserkopf (FMKS)

Entscheidet sich ein Träger und oder ein Kita-Team, eine Kindergartengruppe zweisprachig einzurichten ist einiges zu beachten. Damit die Umstellung für alle Beteiligten gelingt, können Sie sich an diesem Leitfaden orientieren.

1. Sammlung von Informationen

Anfangs ist es wichtig, sich umfassend über das Thema “zweisprachige Arbeit” mit Kindern zu informieren. Sehr hilfreich ist dabei die Homepage des Vereins für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen (FMKS) (http://www.fmks-online.de). Eine Auswahl hilfreicher Fachbücher finden Sie außerdem hier.

2. Einstieg ins Thema mit dem Team

Es  ist wichtig, das Team für eine mehrsprachige Ausrichtung zu öffnen und zu begeistern. Die positive Haltung des Teams ist bedeutsam, um spätere Stolpersteine zu überwinden und die Planung erfolgreich umzusetzen.

3. Fortbildung des Kita-Teams zu Spracherwerb, Fremdspracherwerb, Immersion

Basiswissen, wie (Fremd-)sprachen erlernt werden und wie Immersion funktioniert, ist grundlegend, damit die pädagogischen Kräfte fachlich gut aufgestellt sind. Spätere Fragen und Bedenken z.B. von Eltern können somit beantworten werden. Dafür sollten Sie am besten eine(n) ExpertIn als ReferentIn einladen.

4. Hospitation in bilingualen Kitas

Von der Theorie zur Praxis: Schauen Sie doch einmal in eine bestehende bilinguale Kita hinein und verabreden einen Termin zur Hospitation. Inzwischen gibt es zum Glück in jeder Stadt zweisprachige Einrichtungen. Auf der Website des FMKS finden Sie eine Übersicht mit allen bilingualen Einrichtungen. Vernetzen Sie sich mit anderen Einrichtungen und lassen Sie sich inspirieren!

5. Austausch und Reflexion über Erfahrungen, Meinungen, Bedingungen, Fragen und Bedenken

Genauso wichtig wie der Einblick in eine bilinguale Einrichtung ist das Gespräch darüber im Team. Was ist uns aufgefallen? Welche Fragen sind noch offen? Was können wir uns ähnlich oder auch ganz anders vorstellen und warum?

6. Vereinbarung über weitere Schritte, Zeitplan

Bei diesem Reflexionsgespräch können weitere Schritte vereinbart werden. Was benötigt das Team noch? Welches Vorgehen ist sinnvoll? Erstellen Sie einen Zeitplan, um die weiteren Schritte festzuhalten.

7. Austausch/Information/Gewinnung der Elternvertretung für die Idee

Die Eltern für diesen Prozess zu gewinnen ist unerlässlich. Erfahrungsgemäß bestehen Bedenken, z.B. dass die zweisprachige Erziehung eine Überforderung für bereits mehrsprachig aufwachsende oder sprachauffällige Kinder ist. Es hat sich bewährt, zuerst die Elternvertretung zu informieren und in Absprache mit diesem Kreis die weitere Elternschaft.

8. Informationsveranstaltung für alle Eltern und Austausch mit den Eltern

Gemeinsam mit der Elternvertretung werden die Eltern über das Vorhaben informiert. Die Fragen werden fachlich fundiert beantwortet (z.B.: von einer Fachkraft aus einer bestehenden bilingualen Einrichtung). Sprechen Sie die Bedenken der Eltern offen an und suchen Sie nach gemeinsamen Lösungsansätzen (z.B.: eine zeitlich begrenzte Hospitation einer bilingualen Fachkraft).

9. Suche nach geeignetem Personal, möglichst MuttersprachlerIn

Dieser Schritt ist eine besondere Herausforderung in Zeiten des Fachkräftemangels. Ein authentischer, natürlicher und korrekter sprachlicher Input wird nur von Muttersprachlern vermittelt. Empfehlenswert ist es, die vielfältige Möglichkeiten zur Gewinnung von geeigneten Personals zu nutzen:

10. Methodisch-didaktische Fortbildung zur Umsetzung von Immersion und interkulturelle Kompetenz

Ist die bilinguale Fachkraft gefunden, benötigt auch sie erfahrungsgemäß eine theoretische Einführung ins Thema. Gleichermaßen sollten mit dem Team weiterführende Kompetenzen erarbeitet und Austausch mit der bilingualen Fachkraft gefördert werden.

11. Vorbereitung der Kinder

Wird eine bestehende Einrichtung zweisprachig, hat es sich bewährt die Kinder darauf vorzubereiten z.B. indem mit den Kindern ein Projektthema zum Thema „Sprachen“ entwickelt wird. Dann ist der Schritt zum zweisprachigen Kita-Alltag nicht mehr weit.

12. Einführung der bilingualen Fachkraft in die Einrichtung

Die neue, fremdsprachliche Kraft sollte gut eingearbeitet und begleitet werden. Die Verantwortung für diesen Prozess trägt die Einrichtungsleitung. Dennoch ist das ganze Team daran beteiligt. Bewährt haben sich die Benennung einer Patin für „die Neue“ und regelmäßige, protokollierte Reflexionsgespräche mit Zielvereinbarungen. Daran sollten die fremdsprachliche Kraft, die Patin und die Leitung teilnehmen.

13. Eingewöhnungszeit für Kinder, Personal und Eltern

Alle Beteiligten benötigen Zeit, damit die Arbeit gelingen kann. Reflexionsgespräche sind hilfreich, um mögliche Schwierigkeiten gleich zu erkennen, benennen und zu bearbeiten. Erfahrungsgemäß können interkulturelle Konflikte auftreten, die mit regelmäßigen Gesprächen geklärt werden können.

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Sie haben noch weitere Fragen oder brauchen Unterstützung bei der Umsetzung? Sie erreichen Frau Maserkopf per Email: I.Maserkopf@web.de

Ilka Maserkopf ist Referentin für praxisnahe, nachhaltige und individuelle Fortbildung für frühe Mehrsprachigkeit und Multiplikatorin des Niedersächsischen Kultusministerium für das Thema: „Kinder und Familien mit Fluchterfahrung in der Kindertagesbetreuung“.

Leitfaden zur Planung einer bilingualen Kita-Gruppe

Der FMKS setzt sich für alle Aspekte des frühen natürlichen Fremdsprachenerwerbs und der Mehrsprachigkeit ein. Der FMKS bietet Beratung, Fortbildung, Austausch und Information an und verbindet dabei die Forschung mit der Praxis. Insbesondere informiert der FMKS über das „Sprachbad“, die Immersion, das derzeit erfolgreichste Sprachlernverfahren weltweit. Der FMKS ist unabhängig, gemeinnützig und arbeitet ehrenamtlich.

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Literaturtipps

Maserkopf, I. (2013). In KiTa aktuell 21. Jg. KiTa, ND. Früher Fremdsprachenerwerb in der Kita dank Immersion (S. 155 – 157). Carl Link

Maserkopf, I. (2013). In KiTa aktuell 21. Jg. KiTa, ND. Früher Fremdsprachenerwerb- ein Praxisbericht aus der Kita (S. 289 – 291). Carl Link

Maserkopf, I. (2014). In KiTa aktuell 22. Jg. KiTa, ND. Always English? Über die Sprachwahl der bilingualen Kitas (S. 205 – 207). Carl Link

Steinlen, A. Rohde, A. (2013) (Hg.). Mehrsprachigkeit in bilingualen Kindertagesstätten und Schulen. Voraussetzungen – Methoden – Erfolge. Berlin: Dohrmann Verlag.

Wode, H. (2009). Frühes Fremdsprachenlernen in bilingualen Kindergärten und Grundschulen. Braunschweig: Westermann.

Tracy, R. (2008). Wie Kinder Sprachen lernen: Und wie wir sie dabei unterstützen können.

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